25 April 2024

Mein Fazit als MCS-Betroffene (zum Krankenhaus JoHo)

 Das JoHo ist auf jeden Fall 
machbar mit MCS! 

Einzelzimmer gibt es - auch für SelbstzahlerInnen - nicht. Hier sind alle gleich. Und hinsichtlich

24 April 2024

Der Angstgegner: Krankenhaus - Teil 4: Das Zimmer/Das Bad/Die Beduftung/Das Essen

 Teil 3: Das Essen/Die Küche

Am ersten Tag nach meiner Operation kam eine lockere, freundliche Lady auf mich zu und stellte sich als Frau Küchenchefin vor (Name einfügen 😉). Sie hatte eine elektronische Liste dabei und erklärte mir, das sie alles einträgt, was ich vertrage und auch auf das ich Unverträglichkeiten oder Allergien habe. Sie sagte mir, das das JoHo das einzige Krankenhaus in Wiesbaden und Umgebung sei, das noch eine richtige Küche habe und in der tatsächlich das Essen noch selber zubereitet wird. Kein Catering! Sehr cool, sehr geil.

Es wurde alles alles haarklein notiert, das ich nicht vertrage. Selbst - so sagte die Lady mir - wenn ich

22 April 2024

Der dicke Unkel

 




Der Angstgegner: Krankenhaus - Teil 4: Das Zimmer/Das Bad/Die Beduftung/Das Essen

   Mein Aufnethalt im Krankenhaus beläuft sich auf 11 Tage. Drei oder sogar vier Tage durfte ich länger bleiben. Ärzte und Personal wussten, das ich wohnungslos geworden bin. Ab dem fünften Tag wurde ich täglich bei der ärztlichen Visite gefragt, ob ich denn wüsste, wo ich nach dem Krankenhausaufenthalt hingehen könne. Ich verneinte stets.

 Nach einer Woche, am Freitag nach der OP, sagte die Ärztin, das sie mich noch einige Tage "hierbehalten" wollten, um den Fortschritt der Narbe zu beobachten (da war nix, ehrlich, die Wundheilung war ausgezeichnet, denn bereits am dritten Tag war das Fleisch zugewachsen) und überhaupt. Vermutlich war das "Überhaupt" ausschlaggebend. Nämlich der Umstand, das ich obdachlos war.


Teil 1: Das Zimmer (Krankenhauszimmer)

21 April 2024

Der Angstgegner: Krankenhaus - Teil 3.2: Die erste Nacht

   Im Zimmer liegen zwei alte Damen in ihren Betten. Ein Dreibett-Zimmer also. Aber so groß! Und viele Fenster! Ich komme nach vorne, ganz in der Nähe vom Bad. Ein Bad! schießt es mir durch den Kopf. Nicht nur ein Klo wie im anderen Krankenhaus damals...
Eine Pflegerin nimmt sich meiner an.
"Sie wollen sicher etwas trinken und essen?"
Ich nicke.
"Ja, ich hab' furchtbaren Durst."
Sie reicht mir einen Schnabelbecher und sagt, ich soll langsam trinken. Das mache ich. Schlückchen für Schlückchen. Das tut ja sooo gut!
"Haben Sie Schmerzen? Möchten Sie ein Schmerzmittel?"
Ich schüttle den Kopf. Ja, sicher, Schmerzen hab' ich schon. Aber ein Mittel möchte ich keins.
"Versuchen Sie ein bißchen zu schlafen," lächelt mich die Pflegerin an. "Und wenn etwas ist, dann klingeln Sie hier."
"Ich muss mal pullern," sage ich leise.
"Sie haben eine Windel an, da können Sie einfach rein machen. Dann klingeln Sie und ich komme, und wechsle die Windel. Okay?"
Sie lächelt, und ich lächle ein bißchen zurück und nicke.
Eine Windel. Hmmm, okay. Ich schäme mich etwas, aber es tut sooo unglaublich gut, einfach zu strullern. 😁 Ich spüre gar nichts von der warmen Nässe. Die Windel ist wattiert, ganz dick und weich. Und ganz trocken. Naja, bestimmt kamen nur ein paar Tröpfchen raus.
Ich habe doch keinen Hunger. Ich bin nur hundemüde. Aber schlafen kann ich nicht. Ich sehe mich in dem schummrigen Licht um, so gut es geht. Mein operiertes Bein liegt erhöht auf einem Keil. In einer Schale, damit es nicht rutscht. Also kann ich nur auf dem Rücken liegen. Und das luxuriöse Krankenbett ist an vielen unterschiedlichen Gelenken verstellbar. Aber ich mache nichts, ich stelle nichts um.

Die Frau im Bett neben mir sagt aufeinmal:
"Wo bin ich?"
Ich antworte:
"Sie sind im JoHo auf dem Zimmer. Sie sind bestimmt auch operiert worden."
"Im Krankenhaus?"
"Ja," sage ich.
Sie fragt das noch um die drei- oder viermal diese Nacht, und ich checke, das sie dement ist.
Wackeln, Zuppeln, Kissen drücken, Lumpi kuscheln, dösen. Mehr geht nicht diese Nacht.
Aber ich lebe! Allein das macht mich glücklich. Durch den Schmerz durch macht es mich glücklich.

Der Angstgegner: Krankenhaus - Teil 3.1: Aufwachen

   Ich öffne die Augen. Ich. Öffne. Die. Augen. Alles ist direkt ganz klar: ich lebe! Ich hab' die Narkose wirklich überlebt! Mein Kopf funktioniert augenblicklich. Keine Benommenheit. Keine Übelkeit. Oder? Nein, mir ist nicht schlecht. Ich hab' nur furchtbaren Durst. Immer noch. 
Ein junger Mann sieht mich an und sagt:
"Hallo! Da sind Sie ja! Wie geht's Ihnen?"
Ich sehe ihn erstaunt und mit großen Augen an. Als wäre er der erste Mensch, den ich je zu Gesicht bekommen hätte.
"Ich hab' Durst," sagte ich leise.
Er lächelt. 
"Ich bringe Sie jetzt auf's Zimmer, und dann können Sie dort etwas trinken und essen. Sie haben bestimmt auch Hunger!"
Er bewegt mein Bett, in dem ich liege.
"Können Sie dem Anästhesisten von mir sagen, das ich ihm dankbar dafür bin, das er sich so gut um mich gekümmert hat? Können Sie ihm Danke von mir sagen?"
Der Pfleger lächelt und nickt: "Klar sage ich ihm das. Und jetzt geht's aufs Zimmer, da können Sie sich ausruhen."
"War ich lange weg? Wieviel Uhr ist es?"
"Es ist fast halb elf," antwortet der Pfleger. "Sie sind wie berechnet aus der Narkose aufgewacht. Sie sind erst vor einer halben Stunde aus dem OP gekommen."
Ich bin mehr als überrascht. Wow, denke ich, während ich den Gang zum Aufzug geschoben werde. Also keine fünf Stunden über der Zeit, wie damals bei der Schilddrüsen-Operation*. Wow!

*in der Paulinenklinik (bitte seht ab, jemals freiwillig in dieses Krankenhaus zu gehen!)



Der Angstgegner: Krankenhaus - Teil 2: Der Anästhesist

 Mehrere Leute stehen um mich rum. Pflegerin, Pfleger, OP-Arzt, Anästhesist, weiß der Geier noch wer. Dann sind alle wieder weg, nur ein junger Mann ist noch da. Er will mir eine Spritze geben.
Ich schüttle vehement den Kopf, sage, das ich MCS habe und nichts vertrage.

Der Angstgegner: Krankenhaus - Teil 1: Die Ambulanz

Ich sehe nur das helle, fast grelle Licht an der Decke, als ich in die Abmulanz geschoben werde. Die Sanis schnallen mich jetzt endlich los, aber bewegen will ich mich nicht. Dann stehe ich eine Weile auf meiner Liege rum. Also ich liege, aber die Liege steht rum. Ich weine ununterbrochen. Die Tränen laufen einfach so, obwohl ich außer einem Glas Wasser den ganzen Tag noch nichts

"Scheiße, ist das glatt!"

 Keine Sekunde Schlaf konnte ich finden. Vielleicht bin ich zwischendurch mal für fünf Minuten weggepennt, möglich, aber ich bin gerädert vor Schmerz, Durst und Hunger. Ich hab' extra kaum was getrunken, außer um abends meine Schilddrüsen-Hormone zu nehmen. Den ganzen Tag kam ich auf keinen halben Liter Wasser. Ich wollte nicht mehr aufstehen müssen, um pullern zu gehen. Der Schmerz ist überwältigend, alles bestimmend. 

Eine halbe Stunde nach dem Anruf  trifft der Krankenwagen ein. Zwei Rettungssanitäter treten ein.

20 April 2024

Auringen zum Dritten

 Nach einiger Zeit - es dauert nicht mal so lange, vielleicht eine Stunde - kommen der Notarzt und ein Sanitäter. Ich saß auf dem Sofa, die Beine weit von mir gestreckt, fast liegend. 
Der Notarzt war freundlich, höflich, nett, respektvoll und einfühlsam. Ich hab' mich direkt gut aufgehoben gefühlt.
"Darf ich Ihre Hose ein wenig runterziehen?" fragt er.
Ich sage: "Ich hab' aber keinen Schlübber an."

19 April 2024

Auringen die Zwote

 Ich trete auf die Terrasse, und kann mich nicht halten, so schnell geht es: ich rutsche aus, auf dem grünen Glitsch (Moosablagerungen) auf den Steinen. Ich krache voll auf die linke Körperseite.
Als ich auf dem kalten, nassen Boden liege, sage ich:
"Ich hab' mir die Hüfte gebrochen!"
"Ach Quatsch," sagt Opi, "das ist höchstens eine Prellung. Komm, steh auf!" Er streckt mir die Hand entgegen.
Mein Kreislauf sackt weg. Für einen Moment schwillt der Tinnitus zu einem Gemisch aus Rauschen

18 April 2024

Auringen

   Murk will uns aus dem Haus haben (also dem Baustellen-Haus). Eigentlich nicht "uns", nur mich. 
"Ich kann dich nicht einschätzen," betont er in einem wirklich seltsamen Tonfall. Jetzt schon zum zwoten Mal.
Ich hätte am liebsten gesagt: "Ist mir schnurze! Ich kenn' dich nicht, und du tangierst mich nur periphär."
Aber natürlich halte ich den Mund. In meiner Lage noch das Maul aufreißen... besser wenn nicht. Aber sympathisch finde ich ihn nicht.

Opi telefoniert, was das Zeug hält. Wer hat für ein paar Tage eine Bleibe? Wo können wir mal

17 April 2024

Der Morgen danach

 Der Bekannte/Chef meines Lebensgefährten holt uns ab. Wir fahren nach außerhalb, in ein Haus, das die beiden seit einiger Zeit renovieren und sanieren. Hier gibts zwar nix, aber es ist ein Dach über dem Kopf. Murk kauft eine hauchdünne Matratze, damit wir wenigstens für ein oder zwei Nächte hier schlafen können.

Mein Rechner ist aufgebaut. Der Tisch ist behelfsmäßig aus einem Sperrholzbrett und einem Malergestell zusammengebaut. Die ganze Sache ist noch immer nicht angekommen. Nicht in meinem Kopf. Ich fühle mich ausgezehrt, ausgelaugt. Ich muss was essen. Natürlich wird die Pizza falsch geliefert, die Opi mir bestellt. Die Kräuter, die in der Sahnesauce sind, triggern mich schon durch den Pizzakarton hinweg.
Murk greift sich ein Stück und macht sich auf, die Pizza umzutauschen. Immerhin falsch geliefert, ey! Er erklärt (ach, was sag ich erklärt! Er mault einfach) "Allergien, Mensch! Mach die Sauce richtig!" und kehrt nach kurzer Zeit mit der richtigen Pizza zurück.
Murk meint, wir seien Hausbesetzer. Er meint, er kann mich nicht einschätzen - hallo! Wie auch? Wir sind uns an diesem schreckensvollen Tag zum ersten Mal überhaupt begegnet. Da war wohl kaum Zeit für einen netten Umtrunk und eine Vorstellrunde.

Ich sitze also dann am Rechner. Naja, an meiner geliebten Schnuddelkiste. Mein treuer Begleiter seit zehn Jahren der Isolation. Hier fand mein Leben statt: virtuell, sozial und auch einfach zum Entspannen. Mein Schreib- und Bastelkram, alles, an dem ich in den letzten 17 Jahren arbeitete, hat hier seinen Platz. My Rechner is my Castle, sozusagen, oder auch "Kiste, sweet Kiste". 
Opis und mein Hirn laufen auf Hochtouren. Was ist zu tun? Was als nächstes angehen? Wie die ganze Sache klären, bereinigen, weitermachen... ?

  Am anderen Morgen - nach einer schlaflosen Nacht nahe dem Boden (komm schon, eine 5-cm-dünne Matratze? Im Ernst?) - rufe ich beim Sozialamt an. Ich will wissen, warum die Miete nicht mehr gezahlt wurde. Warum meine Stütze nicht mehr gezahlt wurde.
"Ja, wie, das hast du nicht gemerkt?" fragt bestimmt nun der ein oder andere.
Nein, habe ich nicht, wie auch? Hutsimpel! Ich war nicht fähig, vor die Tür zu gehen. Alles, wirklich alles, hat mein Lebensgefährte erledigt. Und da er verdiente, lebten wir von seinem Geld. Ich - naiv wie eh und je - dachte natürlich, alles würde seinen Gang gehen. Alle jemals geforderten Unterlagen, Kontoauszüge, Atteste, Befunde legte ich immer beim Sozamt vor. Also warum sollte da was schief gehen?
Wie ich an jenem Mittwoch also erfahre, hat mein netter Sachbearbeiter gekündigt und einfach alle Akten geschlossen. Kein Zugriff mehr. Ich kann nicht mehr recherchieren oder nachvollziehen, was schiefgelaufen ist, wieso es zu eben dieser Situation kam. Situation. Allein das Wort in diesem Zusammengang ist absurd, grotesk geradezu... pervers. Die Lady vom Amt sagt mir, ich solle online einen Neuantrag auf "Brügergeld" stellen. Sorry, aber das kann ich gar nicht ernst nehmen im ersten Moment, ich denke, sie veralbert mich. Ich frage nach:
"Sie meinen Hartz IV?"
"Ja, aber das heißt jetzt Bürgergeld."
"Hmm... okay..."
"Vier bis sechs Wochen dauert es, bis Ihr Antrag bearbeitet ist und Sie das erste Geld erhalten," sagt sie.
Gesagt, getan. Der Antrag ist ungefähr zehn Minuten nach dem Telefon raus.

  Am zweiten Abend  in Taunusstein auf der Baustelle daddel ich ein bissi. Ablenkung. Ich höre Musik, ich trinke ein paar Bier. Ich bin kraftlos. Mutlos. Verzweifelt.

Ich telefoniere über FB-Chat mit einer Freundin aus Österreich. Sie arbeitet für einen Anwalt/Notar. Wir schicken ihr alle Unterlagen über den Chat, die angeblich "aus dem Off" im Briefkasten gelegen haben. Alles rechtens, alles paletti. Leider verloren, sozusagen.



16 April 2024

Rausgeschmissen (in die Welt)


    Ich liege auf dem Sofa, auf dem ich die Nacht geschlafen habe. Während ich langsam wach werde, denke ich schon darüber nach, was ich an diesem Tag alles schreiben werde. Arbeitsvorbereitung sozusagen.
Plötzlich klopft es an der Wohnungtür. Ich habe zwar eine Klingel, aber es klopft. Vermutlich die Nachbarin, die irgendwas will. Also bleibe ich liegen. Ich öffne nie die Tür. Ich vertrage diesen extremen Parfümgeruch nicht. 
Ich höre, wie mein Schatz aus dem Schlafzimmer kommt und an die Tür geht. Ich höre ihn mit einer Frau reden. Nicht die Nachbarin, noch sonst jemand aus dem Haus. Ich wohne hier schon so lange, das ich deren Stimmen kenne. Ich höre, wie mein Name fällt. Wie jemand in die Wohnung kommen will. Ich stürme ins Badezimmer. Springe unter die Dusche, dusche mich kühl ab. Ziehe mir schnell was über. 
Als ich ins Wohnzimmer trete, steht dort eine Frau, die sich als Frau Sowieso, Gerichtsvollzieherin, vorstellt. Ich beginne zu zittern.