Der Notarzt war freundlich, höflich, nett, respektvoll und einfühlsam. Ich hab' mich direkt gut aufgehoben gefühlt.
"Darf ich Ihre Hose ein wenig runterziehen?" fragt er.
Ich sage: "Ich hab' aber keinen Schlübber an."
Er lächelt und sagt: "Das ist mir doch egal!" und zwinkert dabei.
Ich lächle auch - ein bißchen verkrampft vermutlich.
Er zieht das Hosenbein links runter und sagt: "Ich taste das Bein jetzt ab. Sie sagen mir, wo es besonders weh tut."
Kaum, das er nur die Fingerspitzen auf Hüfte/Seite legt, schreie ich vor Schmerz auf.
"Entschuldigung," sage ich klein und schäme mich, das ich den Schmerz nicht besser aushalten kann.
"Sie müssen sich nicht entschuldigen," sagt er kopfschüttelnd. "Das kann jetzt nochmal richtig weh tun, mir tut es leid."
Er tastet hoch und runter, links hinten, links vorne, links unten, links oben, immer wieder leicht den Druck der Finger verändernd.
"Können Sie auftreten?"
Ich schüttel den Kopf und deute auf Opi: "Mein Freund muss mich stützen."
Er nickt.
"Okay," resümiert er schließlich, "es könnte eine starke Prellung sein, allerdings auch ein Bruch. Wir können Sie direkt mit ins Krankenhaus nehmen zum Röntgen, wenn Sie wollen. Das liegt bei Ihnen."
Ja, ja, JA! will ich sagen. Aber ich habe Angst davor, mit MCS ins Krankenhaus zu gehen. Das wird wirklich, wirklich schlimm. Desinfektionsmittel, Waschmittel, Weichspüler, Parfüme, Duftstoffe und Chemialien so weit die Nase reicht...
Ich schüttle den Kopf und sage:
"Und wenn ich jetzt nicht mit Ihnen ins Krankehaus fahren... ?"
Er lächelt und sagt:
"Sie können es sich ja noch überlegen. Und wenn es morgen nicht besser nicht, sollten Sie sich wirklich röntgen lassen. Dann rufen Sie einfach nochmal an, und wir kommen und holen Sie hier ab."
Er ist wirklich sehr nett, sehr... einfach menschlich.
"Gut," antworte ich, "dann bleibe ich noch eine Nacht hier und sehe morgen, ob es besser geworden ist."
Er nickt und reicht mir die Hand.
"Gut. Aber wenn es Ihnen morgen nicht besser geht, sollten Sie wirklich röntgen lassen!"
Ein kleiner ermahnender Unterton mit einem sehr verständnisvollen Blick.
Ich quäle mich also, wie den Tag zuvor, hier nochmal rum. Die Ferienwohnung stinkt nicht mehr ganz so schlimm, nachdem Opi auch heute noch x-mal geputzt hat. Er kocht mir etwas ganz tolles: Veggi-Chili, ohne Kräuter, Gewürze und auch ohne Chili. Dafür mit viel Mais und meinen geliebten Kidney-Bohnen. Ich kann es nur leider nicht genießen.
An diesem Tag verfasse ich einen Post in der FB-MCS-Gruppe. Auf was ich achten sollte, wenn ich ins Krankenhaus müsste. Narkosen, Duftstoffe, Chemikalien etc... ob es Tipps gibt, wie ich das überstehen könnte? Erfahrungsberichte? Irgendwelche Infos eben, die mich etwas beruhigen könnten. Aber mir ist klar - gleich wie die Antworten aussehen würden - das ich mich wenigstens irgendwo röntgen lassen muss. Der Schmerz ist unterträglich.
... und so wird die Nacht. Die Kühlpackungen helfen kaum noch; ich kann weder liegen mit gehobenen noch runtergelegtem Bein. Das Auftreten auf den Zehenspitzen, wenn ich Opis Hilfe zum Pullern benötige, geht nicht mehr. Der Schmerz wird immer stärker.
Also ruft Opi am nächsten Tag erneut den Hausärtzlichen Notdienst an. Sie sagen, das ein Krankenwagen vorbeigeschickt wird.





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