21 April 2024

"Scheiße, ist das glatt!"

 Keine Sekunde Schlaf konnte ich finden. Vielleicht bin ich zwischendurch mal für fünf Minuten weggepennt, möglich, aber ich bin gerädert vor Schmerz, Durst und Hunger. Ich hab' extra kaum was getrunken, außer um abends meine Schilddrüsen-Hormone zu nehmen. Den ganzen Tag kam ich auf keinen halben Liter Wasser. Ich wollte nicht mehr aufstehen müssen, um pullern zu gehen. Der Schmerz ist überwältigend, alles bestimmend. 

Eine halbe Stunde nach dem Anruf  trifft der Krankenwagen ein. Zwei Rettungssanitäter treten ein.
Ich erinnere mich kaum noch daran, was gesagt wurde, denn der Schmerz war mittlerweile so schlimm, das ich kaum noch atmen konnte. Jedenfalls sage ich, das ich ins Krankenhaus will, damit die Seite geröngt werden kann.
Die Sanis überlegen, welchen Weg sie mich besser raustransportieren können: über die Terrasse und die Stufen hoch, oder durchs kleine, schmale Treppenhaus mit mehreren Ecken.
Sie testen die Wege aus.
 Ich höre von draußen (von der Terrasse her) eine Stimme rufen:
"Scheiße! Pass' bloß auf! Das ist richtig rutschig hier!"
Kurz darauf Gepolter im Treppenhaus und:
"Ich glaub', hier kommen wir mit der Liege nicht um die Ecken."
Dann noch etwas Gerede, ob man in die Wohnung über die Terrasse eintreten kann und mich tatsächlich über die glitschigen Stufen hochbekommt...

"Wir legen Sie jetzt hier auf die Liege," sagt ein sehr freundlich lächelnder Mann mit einfühlsamen Augen und sanft sprechender Stimme zu mir. "Sie werden von uns allen dreien festgehalten. Sie müssen nur liegen und uns vertrauen, das wir Sie in den Rettungswagen bringen."
"Aber ich hab' Angst..." flüstere ich.
Er nickt.
"Ich weiß. Vertrauen Sie uns, gleich sind Sie im Wagen und wir fahren Sie dahin, wo man Ihnen helfen wird."
Ich nicke leicht. Er drückt meine Hand, zwinkert mir zu und dann heben die drei Männer mich auf eine... ein Dings. Man liegt nur drauf, wird hochgehoben, und dann getragen. Vor meinem Inneren Auge sehe ich schon das Ende meines Lebens. Ich denke, das ich das niemals schaffen werde. Ich denke, ich falle runter. Oder ich ersticke, weil ich mich auf dieser Trage bewege und auf dem Gesicht liegen bleibe. Oder das alle drei mitsamt der Trage und mir darauf auf den Treppen ausrutschen...
Dann werde ich plötzlich auf eine Liege geschoben. Der nette, einfühlsame Sani sagt:
"Sie sind jetzt im Rettungswagen. Keine Angst, es wird jetzt hell!"
Das Licht geht an.
Einer der Sanis ist der Fahrer. Der Liebevolle fragt mich:
"In welches Krankenhaus wollen Sie? Oder ist es egal?"
Ich schüttle energisch den Kopf und sage:
"Ins JoHo! Nur ins JoHo! Bloß nicht in die HSK oder die Paulinenklinik!"
Er lacht leise und sagt:
"Gut, dann bringen wir Sie jetzt ins JoHo! Auf dem Weg dorthin werde ich Ihnen ein paar Fragen stellen. Und: möchten Sie ein Schmerzmittel? Sie müssen ungeheuerliche Schmerzen haben!"
"Nein," sage ich ängstlich, "nein! Bitte geben Sie mir nichts! Ich vertrage das alles nicht!"
"Gut," antwortet der liebe Mensch, "aber wenn Sie es gar nicht mehr aushalten, dann geben wir Ihnen ein ganz leichtes Schmerzmittel. Auch in einer ganz kleinen Dosis, wenn Sie das das möchten, okay?!"

Ich lächle ein bißchen.


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