Ich schüttle vehement den Kopf, sage, das ich MCS habe und nichts vertrage.
Er lächelt nickend und sagt: "Okay, wir warten auf den Anästhesisten, dann besprechen Sie das mit ihm. Ich wollte Ihnen nur ein leichtes Schmerzmittel geben."
"Nein danke," sage ich. "Ich nehme nichts."
"Okay." Auch er ist dann verschwunden.
Nach einer Weile kommen Pflegerin und Anästhesist wieder zu mir. Ich bin völlig durcheinander, ich weiß gar nichts mehr. Ich habe nur diese schreckliche Angst in mir.
"Hallo Frau Eff-Eff. Ich bin Doktor Sowieso," stellt der Narkosearzt sich vor. Er trägt den Mundschutz unterm Kinn, das ich sein Gesicht sehen kann. Das ist beruhigend.
"Hallo," sage ich leise.
"Sie hatten einen Unfall? Wie ist das passiert?"
Ich erzähle ihm die Story vom Ausrutschen auf der glitschigen Terrasse. Er macht ein Gesicht, als könne er sich den Schmerz sehr gut vorstellen.
"So," sagt er lächelnd, "ich stelle Ihnen jetzt einige Fragen. Das sind eine ganze Menge Fragen. Sie können sich ganz viel Zeit lassen, wir haben keinen Zeitdruck. Je genauer und ausführlicher Sie antworten, desto besser kann ich Ihre Narkose berechnen."
Ich schlucke.
"Ich habe MCS," beginne ich.
Er nickt.
"Ist das diagnostiziert?"
Ich nicke: "ja, von mehreren Ärzten."
"Gut. Sonstige Vorerkrankungen?"
Ich beginne aufzuzählen, was mir einfällt. Er schreibt alles genau auf und sieht mich zwischendurch aufmerksam an.
"Ich vertrage keine gängigen Narkosen," sagte ich schnell.
"Wurde das getestet?"
Ich schüttle den Kopf. "Nein, bisher noch nicht."
"Gut. Meinen Sie allgemeine Narkosen? Haben Sie da Nebenwirkungen feststellen können?"
Ich nicke.
"Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Muskelschwäche... und einige Narkosen wirken viel zu lange."
"Heißt das, das Sie schwer aus einer Narkose aufwachen, oder das die Narkose generell sehr lange wirkt?"
"Beides."
"Aha, okay. Das ist gut zu wissen."
Er nimmt mich ernst, das spüre ich schon.
Dann fragt er weiter, ob ich Allergien habe. Da muss ich ein wenig lachen, und er lächelt mir fragendem Blick.
"Das heißt wohl ja," sagt er.
Ich zähle alles auf, das mir einfällt, auf das ich allergisch reagiere - und auch Unverträglichkeiten lasse ich nicht aus. Der Arzt notiert alles.
Die Fragestunde geht noch eine lange Zeit weiter, und ich beantworte alles, so gut ich kann. Als er mich nach vorangegangenen Operationen fragt, sage ich ihm, das 2013 meine Schilddrüse komplett entfernt wurde, allerdings alle vier Nebenschilddrüsen erhalten blieben und intakt sind. Die OP am Knöchel Ende der Neunziger fällt mir noch ein, aber die OP dazwischen - ich weiß, es waren drei - da komme ich grade nicht drauf.
"Wahrscheinlich," sagt der Anästhesist, "irgendwas lapidares wie der Blinddarm oder die Mandeln."
"Ja genau!" rufe ich leise. "Der Blinddarm ist auch raus."
Er grinst leicht.
Dann ist die Fragerei abgeschlossen. Als er sich erhebt, strecke ich ihm meine Hand entgegen und sage:
"Ich habe furchtbare Angst, das ich sterben werde bei der Narkose. Wegen der MCS."
Er nickt und lächelt freundlich.
"Ich bin während der gesamten OP nur für Sie da und kümmere mich um Sie. Sobald ich Anzeichen sehe, das es Ihnen nicht gut geht oder irgendwelche noch so kleinen Komplikationen auftreten, werde ich Sie aus der Narkose zurück holen. Sie brauchen keine Angst haben, alles wird gut gehen! Ich kümmere mich um Sie!"
Und damit geht es ab in den OP.





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