22 April 2024

Der Angstgegner: Krankenhaus - Teil 4: Das Zimmer/Das Bad/Die Beduftung/Das Essen

   Mein Aufnethalt im Krankenhaus beläuft sich auf 11 Tage. Drei oder sogar vier Tage durfte ich länger bleiben. Ärzte und Personal wussten, das ich wohnungslos geworden bin. Ab dem fünften Tag wurde ich täglich bei der ärztlichen Visite gefragt, ob ich denn wüsste, wo ich nach dem Krankenhausaufenthalt hingehen könne. Ich verneinte stets.

 Nach einer Woche, am Freitag nach der OP, sagte die Ärztin, das sie mich noch einige Tage "hierbehalten" wollten, um den Fortschritt der Narbe zu beobachten (da war nix, ehrlich, die Wundheilung war ausgezeichnet, denn bereits am dritten Tag war das Fleisch zugewachsen) und überhaupt. Vermutlich war das "Überhaupt" ausschlaggebend. Nämlich der Umstand, das ich obdachlos war.


Teil 1: Das Zimmer (Krankenhauszimmer)

Aus Sicht meiner MCS war das Zimmer okay. Klar, der Besuch, der täglich bei einer der Damen aufschlug, war oftmals so extrem eingedieselt, das ich weinte, weil ich ja nicht aufstehen und flüchten konnte. Ich atmete die ganze Zeit ihr Pafüm ein. Und die hatte nicht nur Sitzfleisch, die Gute, sondern war ihres Zeichens eine absolute Quasselstrippe. In Momenten, wenn sie sich dann auch noch in meine Angelegenheiten einmischen wollte - immerhin musste ich ja vom Bett aus meine Dinge regeln und somit auch telefonieren - presste ich Lumpi ganz, gaaaanz fest an mich und hielt sein Gesicht an meines. Meine Tränen durchtränkten seine Nase mehr als ein Mal in dieser Zeit.
Am ersten Tag nach der OP, als die Reinigungskräfte eintrafen, sagte ich zur Reinemachefrau:
"Oh nein!" mit Tränen in den Augen. "Ich vertrage keine Putzmittel und Chemikalien!"
Sie lächelte mich richtig lieb an und sagte:
"Das ist nur heißes Wasser, Liebes, nichts mit Duft oder so."
Das beruhigte mich mehr als nur sehr. Lediglich zum Wochenende hin kam eine junge Reinigungskraft, deren Putzmittel bei mir anschlugen. Das Zimmer stank danach, als hätte sie eine ganze Chemiefabrik im Wasser gehabt, und das Badezimmer war für einige Stunden Sperrgebiet für mich.
Obwohl ich eine ausgeprägte MCS habe, die heftig und plötzlich auftrat (2013 auf 2014), hatte ich in dem Zimmer selber keine großen Probleme. Mag sein, das es auch daran lag, das das Pflegepersonal akribisch auf Frischluft achtete und das richtige Verhältnis von frischer Luft zu warmer, trockener Luft.

Die Ärzte waren weitgehend unbeduftet, und wenn dann sehr unaufdringlich. Täglich gehen acht Uhr morgens kam ein kleines Ärzte-Team inkl. fahrbarem Aktenschrank, in den über den aktuellen Patienten geschrieben wurde, und ich konnte in gut eineinhalb Wochen keinen giftigen, derben, üblen oder generell penetranten Geruch klagen.

Das Personal - die Pflegekräfte - waren individuell beduftet. Bedieselt muss man bei einigen sagen. 
Eine junge Frau, die zum Glück in dieser Zeit lediglich zwei Mal Nachtdienst hatte, war so heftig eingestunken, das ich mir binnen weniger Sekunden (noch während sie die Tür zum Krankenzimmer öffnete) wie in einem schwülstigen Puff vorkam. Ihr Gestank ging auch tagsüber bei hartnäckigem Lüften nur schwer raus. Sie war ein Trigger, der sowohl Aggression als auch Angst auslöste.

Die meisten Pfleger*innen waren entweder gar nicht oder nur sehr dezent beduftet. Ich hatte erstaunlicherweise kaum Probleme damit, obwohl ja - da ich auf der geriatrischen Abteilung lag - in einer Tour und nahezu ununterbrochen die Zimmertür auf- und zuging, da die ältere Gesellschaft doch zeitweise - wenn wach - ständig und alle paar Minuten nach den Pfelegkräften bimmelten.



Für diejenigen unter euch, die sich das mal ansehen wollen noch ein paar Bildchen. Hey, nicht meckern, meine ersten eigens geknipsten Handy-Fotos!










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