21 April 2024

Der Angstgegner: Krankenhaus - Teil 3.2: Die erste Nacht

   Im Zimmer liegen zwei alte Damen in ihren Betten. Ein Dreibett-Zimmer also. Aber so groß! Und viele Fenster! Ich komme nach vorne, ganz in der Nähe vom Bad. Ein Bad! schießt es mir durch den Kopf. Nicht nur ein Klo wie im anderen Krankenhaus damals...
Eine Pflegerin nimmt sich meiner an.
"Sie wollen sicher etwas trinken und essen?"
Ich nicke.
"Ja, ich hab' furchtbaren Durst."
Sie reicht mir einen Schnabelbecher und sagt, ich soll langsam trinken. Das mache ich. Schlückchen für Schlückchen. Das tut ja sooo gut!
"Haben Sie Schmerzen? Möchten Sie ein Schmerzmittel?"
Ich schüttle den Kopf. Ja, sicher, Schmerzen hab' ich schon. Aber ein Mittel möchte ich keins.
"Versuchen Sie ein bißchen zu schlafen," lächelt mich die Pflegerin an. "Und wenn etwas ist, dann klingeln Sie hier."
"Ich muss mal pullern," sage ich leise.
"Sie haben eine Windel an, da können Sie einfach rein machen. Dann klingeln Sie und ich komme, und wechsle die Windel. Okay?"
Sie lächelt, und ich lächle ein bißchen zurück und nicke.
Eine Windel. Hmmm, okay. Ich schäme mich etwas, aber es tut sooo unglaublich gut, einfach zu strullern. 😁 Ich spüre gar nichts von der warmen Nässe. Die Windel ist wattiert, ganz dick und weich. Und ganz trocken. Naja, bestimmt kamen nur ein paar Tröpfchen raus.
Ich habe doch keinen Hunger. Ich bin nur hundemüde. Aber schlafen kann ich nicht. Ich sehe mich in dem schummrigen Licht um, so gut es geht. Mein operiertes Bein liegt erhöht auf einem Keil. In einer Schale, damit es nicht rutscht. Also kann ich nur auf dem Rücken liegen. Und das luxuriöse Krankenbett ist an vielen unterschiedlichen Gelenken verstellbar. Aber ich mache nichts, ich stelle nichts um.

Die Frau im Bett neben mir sagt aufeinmal:
"Wo bin ich?"
Ich antworte:
"Sie sind im JoHo auf dem Zimmer. Sie sind bestimmt auch operiert worden."
"Im Krankenhaus?"
"Ja," sage ich.
Sie fragt das noch um die drei- oder viermal diese Nacht, und ich checke, das sie dement ist.
Wackeln, Zuppeln, Kissen drücken, Lumpi kuscheln, dösen. Mehr geht nicht diese Nacht.
Aber ich lebe! Allein das macht mich glücklich. Durch den Schmerz durch macht es mich glücklich.

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