Ich wollte, nachdem ich ihn aus meiner Wohnung komplimentiert hatte, nicht mehr wiedersehen. Die Zoten, die er sich stellenweise - und gerade zu knapp - geleistet hatte, gingen mir derb gegen den Strich. Also zero contact künftig, bitte!
Als ich noch im Krankenzimmer in Dotzheim war, gingen Opi und ich mal in einen Waschsalon (Link folgt) in der Innenstadt. Dort hockte er auf dem Boden und wartete ebenfalls auf seine Wäsche. Das war noch ganz witzig, mal so ein bissi Blödsinn zu quatschen, mich abzulenken. War okay.
Doch vor zwei Tagen, als ich auf dem Weg zum Bus war, lief er mir über den Weg ohne mich zu sehen. Hatte Sack und Pack natürlich wieder dabei, er ist obdachlos. Nicht einfach nur wohnungslos. Ohne Obdach. Kein Dach über'm Kopf. Das Gesicht aufgedunsen vom Suff, dreckiger Bart, wirres Haar, matter Blick. Ich sprach ihn an, und er sagte:
"Warum drumrum reden, ich bin strunze zu."
Klar, sah man. Aber sein Blick war völlig leer, hoffnungslos, ohne jegliche Aussicht auf Veränderung, Besserung.
Ich war wie vom Schlag gerührt und wusste kaum, was ich sagen sollte.
Er fragte: "Kommst du klar?"
Ich sagte ihm, das alles okay ist bei mir.
"Ich muss irgendwie in die Teestube kommen," nuschelte er.
"Ja, sieh' zu, das du dorthin gehst. Da kannst du auch mal was richtiges essen."
Er wiederholte sich, ob es mir gut ginge und ich okay sei.
"Geh' in die Teestube," sagte ich und rang mir ein Lächeln ab.
Innerlich brach mir das Herz. Auch wenn ich mit ihm so nix mehr zu tun habe, ihn so zu sehen - er war mal lebensfroh, trotz kleiner Hänger. Aber hier stand ein Mann Mitte Vierzig vor mir, der nicht mal mehr Verzweiflung in sich hatte, sondern nur noch Angst. Ich konnte die Angst sehen. Nichts anders lag mehr in seinen stumpfen Augen. Er war kaum noch ein Schatten seiner selbst. Das war sehr erschütternd.
Als ich später wieder im Heim auf dem gemeinsamen Zimmer war, erzählte ich meiner Zimmermitbewohnerin von dieser Begegnung. Aber sie sagte nichts dazu. Obwohl mir die Tränen kamen, denn mich hatte dieses Wiedersehen ins Mark erschüttert, brachte sie kein nettes oder mitfühlendes Wort auf.
Danke dafür. Ich hätte drauf verzichten können.
Ich hoffe, der Kerle hat den Weg in die Teestube gepackt und kann eine Weile dort unterkommen. Mann, sowas braucht echt keiner!






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