Ich bin aufgeregt. Es sind einige Leute hier, meist Pärchen, noch relativ jung. So Anfang/Mitte zwanzig. Oh je, denke ich.
Eine lächelnde, freundliche, bildhübsche Frau mit langen, lockigen, schwarzen Haaren begrüßt uns (ja sichi, Opi ist dabei) und lädt uns ein, uns in Ruhe umzusehen.
Die Wohnung - gelinde ausgedrückt eine echte Enttäuschung. Aber sauber und renoviert. Auch der Boden dünstet nicht aus, ich vertrage die Umgebung. Ein gutes Zeichen!
Die (nichtvorhandene) Küche ist mitten im Wohnraum. Das Zimmer ist winzig. Das Schlafzimmer noch viel kleiner, mit extrem vielen Nischen. Überall Ecken.
Opi sagt leise: "Hier kriegst du nicht mal ein Bett rein, geschweige denn einen Schrank!"
Ich nicke enttäuscht.
Das Bad ist okay. Sauber, kein Schimmel. Die Duschkabine muss ausgetauscht werden, die hat's hinter sich.
Ich besehe mir alles ein zweites Mal und versuche gedanklich, ein paar fiktive Möbel aufzustellen. Da tut sich nix in meinem Kopf. Die Wohnung ist es nicht, denke ich, aber es muss einfach!
Ich höre ein paar Leute im Treppenhaus sagen, das es im dritten Stock des Hauses noch eine freie Wohnung gibt. Die Dame, die die Besichtigung leitet, sagt zu mir:
"Es gibt noch eine Wohnung oben, aber das wollte ich Ihnen nicht zumuten," und sie deutet auf meine Stöcke.
Ich sage zu Opi: "Komm, wir gehen auch mal hoch. Wenn wir schon hier sind... !"
Und das machen wir. Das Treppenhaus ist zwar alt, aber das Holzgeländer ist stabil und sauber, es wackelt nicht. Auf den mit Linoleum ausgelegten Stufen habe ich guten, sicheren Tritt. Nicht schlecht!
Die Wohnung oben ist ein bissi anders aufgeteilt, aber auch sehr klein. Vor allem die Dachschrägen geben mir das Gefühl, in einem kleinen Bau zu sein. Als man zur Tür reinkommt, steht man direkt in der (nichtvorhandenen) Küche, die sich hier ebenfalls im Wohnraum befindet. Das Schlafzimmer ist besser als das in der Wohnung unten, gerader, keine Ecken und Winkel. Das Badezimmer ist identisch, aber auch in Ordnung, sauber und mit Fenster.
Als wir wieder nach unten gehen, fragt die Dame:
"Kommen Sie vom Jobcenter oder sind Sie Selbstzahler?"
"Vom Jobcenter," sagte ich leise.
Ihre Augen weiten sich freudig und sie lächelt breit. Es dauert keine zwei Minuten, dann bekomme ich ein Mietangebot in die Hand gedrückt.
Das heißt also, ich komme infrage! Das könnte meine Wohnung werden! Ich bin euphorisch. Übermütig fast. Meine Laune schießt durch die Decke. Ein Mietangebot! Das ist ja fast wie ein Sechser im Lotto!






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Danke für deinen Kommi! 💛