Der Alkoholiker, der hier ein Obdach bekommen hat, spricht mich an. Ich bin nicht erpicht darauf, mit ihm zu reden, sein Atem und seine Ausdünstungen (ich kann es leider nicht anders formulieren) lösen extremes Unbehagen in mir aus. Sein Kopf ist knallrot mit einem leichten Stich ins Lilafarbene.
Er erzählt mir, das er ohne Krücken laufen soll. Ach so, ich sollte erwähnen, das er sich auf eine Krücke stützt. Der Arzt hätte gesagt, er soll ohne laufen. Das wäre besser für sein Knie. Und er merkt auch, wie er meint, das es ihm besser gehen würde, wenn er mit nur einer Krücke läuft.
Ich sage:
"Das ist nicht gut, mit nur einem Stock zu laufen. Man läuft dann schief."
Japp, das hab' ich in der Reha gelernt, und es stimmt. Das konnte ich beobachten, wenn ich es selber versuchte. Wie dem auch sei, Rotkopf (so nenne ich ihn von jetzt an) erzählt noch was, aber ich höre nicht so richtig zu. Ich fummel meinen Schlüssel aus der Tasche und mache Anstalten, wieder ins Haus zu gehen.
Rotkopf folgt mir. Ich gehe die Treppe hoch, und er meint:
"Sie machen das falsch. So darf man nicht Treppen gehen."
"Doch, das ist sehr wohl richtig. Das zeigen einem die Physios so..."
Ich gehe an den zwoten Treppenabsatz. Der Kerl ist immer noch hinter mir.
Ich gestehe, das ich ein wenig Angst bekam. Der kann, wenn er richtig besoffen ist (und das ist er meistens - Ergänzung: immer) unangenehm und aggressiv werden. Auf sowas bin ich nicht erpicht!
Ich laufe also weiter die Treppen hoch, werde schneller. Obwohl das nicht so gut ist... aber ich will einfach weg.
Dann bleibt er vor der ersten Wohnungstür stehen und schließt auf. Ach, der wohnt hier im Haus! Das wusste ich nicht mal, obwohl ich ihm ja schon einige Male begegnet bin.
Ich bin erleichtert, denn für einen kurzen (oder nicht ganz so kurzen) Moment dachte ich schon, der läuft weiter hinter mir her um mir die Tasche zuzulabern.
Puh, ich bin aber auch echt ein Angsthase. 😅






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